Donnerstag, 5. November 2009

6. Tag


Ein unglaublich aufregender Tag war das. Daher kommt mein Blogger-Eintrag auch ein bißchen später heute.
Das Füttern am Morgen war noch wie üblich: Drei Tiger waren beim Frühstück an dem Haus in der Arvidvej - Pelle fehlte, denn der saß ja bei uns im Bad. Womit wir auch schon beim ersten Thema wären: Pelle fraß gestern Abend noch ein bißchen Feuchtfutter. Als wir dann ins Bett gingen, hörten wir ihn lange noch miauen, bis er dann wohl auch eingeschlafen war. Am Morgen hatte er brav seine Katzentoilette benutzt, zwar bislang nur zum Pieseln, aber immerhin! Wir schmusten dann noch ein wenig, denn das Wetter war für uns zum Rausgehen ohnehin nicht geeignet und da Per zuhause ist, wartete auch an seinem Haus niemand auf uns. Pelle nimmt die Schmuseeinheiten gern an, drückt sich mit seinem Kopf an die Hand und spielt auch. Aus ihm wird ganz sicher ein angenehmer Hausgenosse.
Mittags dann hatte er das Katzenklo auch für sein großes Geschäft genutzt - also alles super.
Die Mittags-Fütterrunde wollten wir verbinden mit einer letzten Suche nach der Siam, vielleicht auch ihren Kleinen. Also gingen wir zuerst gegen 13 Uhr in die Arvidvej. Es erschienen Jannik und das kleine Tigerchen. Während sie aßen, blickte ich - wie immer - suchend auf den angrenzenden Dünen umher. Und wollte dann meinen Augen nicht trauen, als ich sie näher kommen sah: die Siam-Mama. Da war sie, scheu wie vorgestern, aber mit großem Appetit. Einmal vertrieb sie sogar mit einem Pfotenschlag die beiden Tiger. Eine Wunderhübsche ist sie, die Färbung, die blauen Siam-Augen. Irgendwie passt sie so gar nicht in diese unwirtliche Gegend, noch weniger, als alle die anderen Katzen.
Nachdem sie dann alle Drei mit Fressen fertig waren, lief die Siam sehr zielstrebig in südliche Richtung davon. Ganz schnell packten wir unsere Sachen zusammen und versuchten sie zu verfolgen. Wir observierten sie, praktisch für uns, dass sie viel besser zu erkennen ist mit ihrem hellen Fell als die Tiger. Thomas ging parallel zu ihr auf der einen, ich auf der anderen Seite. Und dann, nach zwei Querstraßen tauchte sie plötzlich hinter einem Haus nicht mehr auf. Ich rannte weiter, falls sie beschleunigt hätte. Thomas ging einen Bogen zurück zum letzten Haus, an dem er sie gesehen hatte.
Und - da kam sie unter einem Haus hervor. Hinter ihr im Gefolge eine mini-kleine Siam-Katze mit plüschigem Fell. Thomas machte mir ein Zeichen und ich arbeitete mich langsam zum Nachbarhaus vor. Dann plötzlich kam noch ein zweites Junges, ein winziges Tigerchen, unter dem Haus hervor.


Wir beobachteten sie einen Moment - zumal Wiebke ja Anfang Oktober am Haus die Siam mit drei Jungen fütterte. Aber ein drittes Junges war nicht zu entdecken.
Aber unser Entschluß war gefallen: diese beiden Kleinen würden wir mitnehmen, denn sie haben aufgrund ihres Alters keine Chance hier den Winter zu überleben!
So werden uns also Pelle und diese Beiden nach Deutschland begleiten.
Die erwachseneren Tiger am Haus in der Arvidvej haben leider das Nachsehen - aber wir wissen, dass wir nicht alle retten können. So sehr mir das auch das Herz zerreißt.
Also setzte ich mich an den zum Haus gehörenden Schuppen, während Thomas in unser Ferienhaus fuhr und die Lebendfalle holte.
Derweil hatte ich Gelegenheit, die Katzen zu beobachten. Die Siam-Mama saß vor der Terrasse des Hauses, die kleinen offensichtlich darunter. Das kleine Tigerchen kam immer wieder vorwitzig heraus und lief um seine Mutter herum. Aber manchmal schlug sie ihn auch mit der Pfote. Offensichtlich stehen die Kleinen also kurz vor dem Moment, in dem die Mama sie ohnehin verstoßen würde.
So hübsch war das anzusehen, so gut hatte die Siam-Mama für ihre Kleinen gesorgt. Ich versuchte ihr zu erklären, dass wir ihren Kleinen nichts antun wollen, dass wir ihnen einen schönen Platz für die kalten - und alle folgenden - Monate organisiert haben. Nur sie, die Hübsche selbst, tat mir so leid. Ob sie diesen Winter überleben würde? Wir werden sie auf jeden Fall im nächsten März suchen und kastrieren. Sie mitzunehmen, wäre nicht richtig. Sie ist eine wildlebende Katze und sie gehört nun hierher. Was wohl aus dem dritten Jungen geworden war?
Dann kam Thomas mit der Falle. Wir stellten sie auf, hatten dann aber das Problem, dass wir sie nicht mit Selbstauslöser nutzen konnten, da auch die Mama in die Falle ging.
So krabbelte ich also hinter einen Windschutz, kauerte mich dort zusammen und hielt den Auslöser der Falle mit der Hand fest. Die Katzen durften mich nicht sehen, da sie sich sonst, scheu wie sie waren, nicht nähern würden und erst recht nicht in die Falle gingen. Thomas beobachtete das Ganze aus der Ferne und hielt mich auf dem Laufenden. Die Mama ging in die Falle und fraß - dann lief sie hinaus und der kleine Tiger hinein. Der Moment war gekommen.
Ich zog die Hand weg und die Klappe der Falle schnappte zu. Schnell wurde das kleine Fellknäuel ins Auto getragen. Und ab ging’s in unser Bad.
Pelle schaute ganz merkwürdig. Das Kleine quetschte sich gleich in eine Ecke, aber Pelle hatte einen beruhigenden Einfluß, wunderbar.
Da es Thomas und mir eiskalt war, wärmten wir uns kurz am Ofen auf und tranken Kaffee.
Dann zogen wir wieder los, um auch das zweite Junge einzufangen. Wir parkten das Auto an dem betreffenden Haus und ich setzte mich wieder hinter den Windfang. Nichts passierte - weit über eine halbe Stunde. Also ging ich ins Auto, es war so kalt….
Nachdem wir auch dort noch lange gewartet hatten und schon befürchteten, dass es heute nichts mehr werden würde, sahen wir sie, die kleine Hübsche. Sie war allein. Also schnell wieder aus dem Auto. Ich wieder in Hockstellung hinter dem Windfang. Und dort saß ich dann eine Stunde.
Die Falle war präpariert, aber keiner ging hinein. Die Kleine lief mehrfach drum herum, meine Finger, die wiederum den Auslöser der Falle festhalten mussten, fühlte ich kaum mehr von dem beißenden Wind.
Dann konnte ich beobachten, wie die Mama in der Hocke saß und die Kleine an ihrer Zitze trank und dabei wohlig schnurrte. Es war ein wunderschönes Bild - und diese Idylle musste ich zerstören. Aber in einigen Wochen, das ist mir klar, wird kaum für die Mama genug Futter zu bekommen sein. Die Kleinen könnten es definitiv nicht mehr schaffen, sich genug Speck anzufuttern für den Winter. Und so scheu wie sie sind, werden sie sich nicht bei den Touris auf die Terrasse setzen mit diesem Blick….
Dann stieß die Siam-Mama die Kleine weg und ging in die Falle. Es wunderte mich, dass sie hineinging, obwohl sie doch mitbekommen habe, dass vorhin ihr Kleines in dieser Falle gefangen wurde. Ob sie weiß, was passieren wird? Ob sie vielleicht sogar ihre Kleine genau deshalb hat noch einmal an ihrer Zitze trinken lassen, um sich zu verabschieden?
Man soll Tiere nicht vermenschlichen, das weiß ich. Aber kann das nicht auch tierisches Verhalten sein? Sie hat gesehen, dass ihr Kind in dieser Falle gefangen wurde und trotzdem geht sie hinein.
Dann lief auch die Kleine zu ihr in die Falle, man fraß gemeinsam aus dem Napf, dann zog sich die Mama rückwärts zurück aus der Falle und das kleine Siam saß allein darin. Mit klammen Fingern ließ ich den Auslöser los.
Wir trugen die Kleine ins Auto, die Siam-Mama lief uns ein Stück hinterher.
Ich füllte ihr schnell noch eine Schüssel mit Futter und wir fuhren ins Ferienhaus. Dort angekommen, brachten wir die Falle ins Bad und die Kleine suchte sich einen Platz in einem von uns mitgebrachten Katzenhaus. Ihren Bruder/Schwester nahm sie in der Aufregung nicht wahr.


Nach der abendlichen Fütterrunde bei den Tigern war das Futter im Bad gefressen. Wer? Aber die Kleinen werden sich sicher von Pelle zum Fressen animieren lassen.
Wir hoffen, dass wir das Richtige getan haben. Aber die Kleinen werden sich an Menschen gewöhnen, sie sind jung genug - und nun haben sie eine Chance, älter als nur 3 Jahre zu werden!
Danke, hübsche Siam-Mama, für solch zwei wunderschöne Miezen! Wir hoffen, Dich im nächsten März wiederzusehen!!!