Samstag, 10. Oktober 2020

Aufarbeitung 2019 - 2-Tages-Aktion im September

Meine Facebook-Leser kennen die folgende Geschichte (in aller Kürze) schon, aber auch die Anderen möchte ich informieren über meine spontane Aktion im September des letzten Jahres:

Ich hatte hier schon erzählt, dass ich im Juni 2019 eine Woche in Dänemark war - auf den Plan gerufen durch eine Mitteilung über eine Katze in Vejlby Klit, die zutraulich war, aber irgendwo draußen im Ferienhausgebiet ihre Jungen bekommen hatte. Es gelang mir damals herauszufinden, wo die Kleinen waren, aber ich kam nicht ran, da sie im Dach eines Hauses lagen, was nicht zu öffnen war...

Tja, und im September berichtete mir ein Urlauber-Paar, dass es eben diese kleine Familie aktuell füttert... Puh, ich hatte keinen Urlaub und konnte auch nicht schnell mal frei machen.

Dann aber berichteten die Urlauber, dass eines der Kleinen offenbar nicht richtig sehen könnte.

Und, wie es der Zufall, oder das Schicksal, dann manchmal so will, kam genau zu dieser Zeit eine weitere Nachricht von Volkmar mit Familie, dass man in Vrist am Urlaubsdomizil eine Katzenmutter mit zwei Jungen füttere:


Und von anderen Urlaubern hatte er zudem erfahren, dass es ein weiteres Kleines zu den Geschwistern gebe.

Nun war ich entschlossen. Irgendwie musste das doch zu organisieren sein.. Immerhin war es keine einzelne Katze, sondern zwei Mütter mit insgesamt fünf Kitten, für die ich etwas tun könnte.

Also am Folgetag nach meinem Nachtdienst ab ins Bett, am Nachmittag aufgestanden und das Nötigste zusammengepackt. Und dann ging's los. Einen groben Plan hatte ich, aber ob der so auch aufgehen würde???

Nach einer Nachtfahrt war ich um 7 Uhr in Vrist und fuhr auch direkt zu Volkmar. Graues und windiges Wetter, aber er zeigte mir, wo die Familie sich normalerweise aufhielt und genau dort konnte ich sie auch entdecken. Die Müdigkeit der Autofahrt war rasch verflogen, denn nun war Einfallsreichtum und Flexibilität gefragt. Die Kleinen und die Mutter fangen, ohne dass eines der Tiere verletzt oder gar zurückbleiben würde.

Entsprechend Falle raus aus dem Auto und mitten ins Grün zwischen zwei Ferienhäuser gestellt, denn die Mama hatte offenbar Hunger und kam schon in meine Richtung.

Rasch war Mama gefangen:

Lina

Schritt 1 war erledigt.

Dann wurde es spannender, denn offenbar hatten die Kleinen (zum Glück waren alle drei vor Ort aufgetaucht) wirklich Hunger:

Mit einem Fernauslöser gelang mir dann aber relativ rasch der Fang aller Kleinen, so dass auch sie sicher waren!  Schritt 2.

Dann schnell die Mama in die Tierklinik nach Lemvig gebracht zur Kastration. Schritt 3.

Und dann ging es direkt zu Ines und Peter. Dort war die Katzenmutter mit ihren beiden Kleinen im Wintergarten. Die beiden Kleinen waren goldig, aber nicht wirklich zutraulich.


So dauerte es etwas, bis ich die drei Katzen ebenfalls eingepackt hatte.  Schritt 4.

Dann fuhr ich wieder in die Tierklinik, um die kastrierte Lina abzuholen. Schritt 5.

Und zum Glück traf ich dann auf Anne, eine Urlauberin, der mein Projekt gefällt und die daher Futter dafür abgeben wollte.

Ich nutzte die Gelegenheit und fragte sie, ob sie bereit wäre, Lina am nächsten Tag freizulassen, wenn sie sich von der Kastration erholt und ihren Narkose-Rausch ausgeschlafen hätte.

"Ja", sagte sie und ich freute mich sehr, denn so konnte ich mit meinen gefangenen Katzen nach Hause aufbrechen - jedoch erst, nachdem ich mich bei Sabine kurz hingelegt hatte.

Auf der Heimfahrt übergab ich dann die Katzenmutter Liza bei Hannover an Brigitte, die sie mir im Juni erstmals gemeldet hatte und sie aufnehmen wollte.

Die fünf Kleinen nahm ich mit nach Hause. Alle sind nach negativen Bluttests bestens vermittelt!

Charly, Gini und Frizi

Und Katzenmutter Lina konnte am nächsten Morgen wieder in die Freiheit - ab sofort nur noch für sich selbst verantwortlich.

Eine verrückte Aktion, ja:   1.800 km, 2 Tage, 7 gefangene Katzen...   Aber irgendwie doch toll und aufregend.... und erfolgreich.

Danke an alle Helfer:  Mitteiler, Fütterer, Wieder-Freilasser, die Tierklinik für die spontane Kastration!


Anke

Sonntag, 30. August 2020

Aufarbeitung 2019 - Juli am Fjord und in Vejlby Klit, Teil 2

Über die erste Hälfte der knappen Woche bei Sabine im Juli letzten Jahres hatte ich hier bereits berichtet. Wie es der Zufall manchmal so will, bekam ich dann inmitten meines Aufenthalts einen Hinweis auf Kitten bei deutschen Urlaubern in einem Ferienhaus in Ho (bei Blåvand).

Die Familie hatte die Kleinen (ein Schwarzes und ein Weißes) auf ihrem Grundstück entdeckt, eine Mutter konnten sie jedoch nicht sicher zuordnen, obwohl sie eine größere ebenfalls weiße Katze bereits in der Nähe gesehen hatten.

So stand ich morgens um 6 Uhr auf und fuhr nach Ho. Und ich wurde bereits erwartet. Die Kleinen saßen schon, offenbar hungrig, in den anrenzenden Büschen - und auch die Menschen waren schon wach, um die Fang-Aktion zu beobachten.

Natürlich wollte ich am liebsten beide Jungtiere zusammen fangen, um nicht mit dem "Klapp" der Falle eines zu verschrecken - und zuerst sah das auch gut aus:


Dann aber traute sich das zweite doch nicht schnell weit genug hinein und Nummer 1 war bereits fast satt und wollte wieder heraus. So musste ich dann doch hintereinander fangen, was aber zum Glück aufgrund der Sorglosigkeit der Kleinen keine Probleme bereitete.

Die Falle ließ ich nach dem Fang vor Ort, denn Ina und ihre Familie hatten sich bereit erklärt zu versuchen, die weiße Katze zu fangen, damit ich sie kastrieren lassen könnte.

Schnell fuhr ich dann zu Sabine, wo ich den großen Transportkäfig aufbaute und ein relativ heimeliges Zuhause für die beiden Kleinen einrichtete:


Und dann ging es rasch weiter nach Bork Havn, wo ja ein Däne eine Katze fütterte, die vor ein paar Wochen Nachwuchs bekommen hatte, der auch schon mit an der Futterstelle war, aber aktuell nicht mehr mitkam. Vielleicht war ihnen etwas zugestoßen.

Es regnete, als ich in Bork Havn ankam. Keine guten Voraussetzungen. Also machte ich es mir im Auto gemütlich. Aber kaum hatte der Guss aufgehört, tauchte das Mädchen wie aus dem Nichts auf und lief schnurstracks in Richtung Falle... und auch hinein.

Ylvie aus Bork Havn
 

Da sie möglicherweise Kleine zu betreuen hatte, wollte ich mit der Kastration nicht bis zum nächsten Tage warten und hatte zum Glück von Brigitta auf der Insel Fanö bereits das OK, mir kurzfristig ein oder zwei Kastrationen zu machen.

Ich hatte ja auch noch mit der weißen Katze in Ho spekuliert, doch leider hatte sich dort in den letzten Stunden nichts getan. Ich fuhr also mit einer Mieze in Richtung Fanö, denn es war Samstagabend, so dass ich in Nörre Nebel keine Kastration hätte machen lassen können. Um 18:58 Uhr hieß es aus Ho noch: "Bei uns tut sich noch nichts." Um 19:04 Uhr dann aber: "Sie ist drin!".

Wahnsinn. Also schnell auch dieses Tier abgeholt, eine noch sehr zarte Katze, die wohl kaum die Mama der Kleinen sein konnte.

 

Also blieb die Falle einfach nochmal in Ho, da Ina und Familie sich jetzt in ihrem Urlaub für den Katzenfang begeisterten...;-)

Bei Brigitta auf der Insel Fanö stellte sich heraus, dass ich ihr zwei Mädchen gebracht hatte. Die weiße aus Ho war wirklich noch so jung, dass sie definitiv noch keine Mutter war - die Katze aus Bork Havn hingegen war trotz ihres noch jungen Nachwuchses bereits wieder mit 7(!) Kätzchen tragend - zum Glück natürlich noch nicht weit, daher hatte man es auch nicht sehen können, aber wir ersparten ihr den Stress der erneuten Mutterschaft.

Am Abend fuhr ich zufrieden zurück zu Sabine, die nun wieder einmal 4 Katzen Obdach gab während meines Aufenthalts. Die Kleinen waren munter, hatten gut und reichlich gefressen und ihr Klo benutzt, die kastrierten Mädchen hingegen hatten nichts Anderes vor, als ihren Narkose-Rausch auszuschlafen.

Doch, als sei es noch nicht genug, bekam ich zum Frühstück am nächsten Morgen eine Mail von einem Ferienhausvermieter in Vrist (bei Vejlby Klit), dass deutsche Urlauber bei ihrer Abreise mitgeteilt hätten, dass sie am Haus eine Katzenmama mit zwei Kleinen gefüttert hatten.

Hatte ich wirklich eine Chance, diese Tiere jetzt so kurzfristig noch einfangen zu können?  Aber wer nicht wagt,....  Und über einen befreundeten Tierschutzverein in Deutschland hatte ich die Möglichkeit, die Katzen dort nach meiner Rückkehr in Quarantäne unterzubringen und sie nach Gesundheitschecks auch zu vermitteln.

In Vrist angekommen, befanden sich offenbar bereits neue Urlauber in dem entsprechenden Haus, aber sie waren nicht da, so lief ich durch die angrenzenden Grundstücke und fragte bei anderen Urlaubern nach Katzen. Eine Familie hatte tatsächlich die Kleinen bereits gesehen - und zum Glück hatte ich weiteren Erfolg. Eine dänische Familie sagte mir, dass die Katzen möglicherweise unter ihrer Terrasse leben. Und ich durfte auch auf ihrem Grundstück eine Falle aufstellen. Doch ich musste in der Nähe bleiben, um die Falle von Hand auszulösen, bei Dreien wäre eine automatische Auslösung durch die Wippe zu gefährlich.

Doch ständig kam nur eins der Kleinen und ich tat mich schwer Mutter und nur ein Kitten zu fangen.


So saß ich und saß.... in der Hoffnung, dass beide Kleine gleichzeitig in die Falle gingen. Nachdem ich fünf Stunden gewartet hatte, entschloss ich mich, das erste Kleine zu fangen - immerhin, eines weniger in der Streunerkatzen-Population und die Mutter war noch da, um auf das zweite aufzupassen.


Dann machte ich mich auf zurück Richtung Bjerregard, denn die Katze aus Ho musste wieder in die Freiheit. Und als ich eintraf, hatte Ina bereits eine weitere weiße Katze gefangen, ein bisschen größer. 

Freilassung von Lisa und Fang von Laura

Vielleicht nun wirklich die Mutter der beiden Kleinen, die schon im großen Käfig saßen.

Das Mädchen aus Bork Havn, die den Namen Ylvie bekommen hatte, hatte Sabine inzwischen bereits ebenfalls wieder freigelassen.

Und ich hatte die ganze Fahrt zurück gegrübelt. Sollte ich nochmal die weite Strecke nach Vejlby Klit fahren, um das zweite Kleine zu fangen oder war es ein hoffnungsloses Unterfangen? Denn am nächsten Tag musste ich wieder nach Hause.

Aber wer mich kennt, der ahnt, wie ich mich entschieden habe. Ich fuhr wieder los, war um 20 Uhr wieder in Vrist angekommen und hatte die Mutter sehr schnell in der Falle, doch das zweite Kleine saß verängstigt unter der Terrasse. So holte ich schließlich nach zwei weiteren Stunden Wartezeit die Mutter in ihrem Käfig wieder aus dem Auto und stellte sie dicht an die Falle. Das Kleine konnte nun nur zu seiner Mama, wenn es nach hinten in die Falle gehen würde.

Keine dreiviertel Stunde später hatte ich es! 


Und dann ging es zurück zu Sabine und nach Versorgung der Katzen müde ins Bett.

Am nächsten Morgen dann gab ich nach dem Einpacken meiner Ausrüstung und der Katzen rasch noch die zweite gefangene Mieze von Ho in der Tierklinik in Nörre Nebel zur Kastration ab und startete dann mit dieser "Fracht" nach Hause:

 

Ina und Familie hatten sich bereit erklärt, Laura nach ihrer Kastration wieder in der Tierklinik abzuholen und nach entsprechender Wartezeit wieder freizulassen. (Alles klappte auch ohne Probleme.) Vielen Dank dafür!

Meine regelmäßigen Leser wissen, dass ich grundsätzlich keine Katzen aus Dänemark mit nach Deutschland nehme, denn auch in Deutschland haben wir mehr als genug herrenlose Katzen und Jungtiere, die ein Zuhause suchen.

Eine Ausnahme machte ich dieses Mal, da die Kleinen nicht alt genug waren zur Kastration und ich daher Katzen zurückgelassen hätte, die im nächsten Jahr ebenfalls Nachwuchs bekommen hätten. Die Mutter nahm ich mit, da sie relativ zugänglich schien und gerne noch ein paar Wochen ihre Kleinen versorgen sollte.

So war ich in diesen sechs Tagen 2.800 km gefahren, hatte wenig geschlafen, wie fast immer viele nette Menschen kennengelernt und konnte drei weibliche Katzen kastrieren lassen und fünf Tiere in Deutschland letztlich gut vermitteln.

Danke an alle Unterstützer!

Anke

Sonntag, 7. Juni 2020

Aufarbeitung 2019 - Juli am Fjord und in Vejlby Klit, Teil 1

Anfang Juli 2019 erhielt ich eine Mail von einem deutschen Paar, das Ende Juni/Anfang Juli Urlaub in Vejlby Klit gemacht und eine Katze am Ferienhaus hatte.
Aber es war eben nicht nur eine Katze, die sie gefüttert hatten, nein, es steckte, wie so oft, eine Geschichte dahinter...
Bereits bei ihrer Ankunft im Ferienhaus wurden sie von dieser Katze begrüßt, freundlich und zutraulich.
Brigitte und ihr Mann gingen davon aus, dass es die Katze des Ferienhausbesitzers ist.
Einige Tage später stellte sich aber heraus, dass sie offenbar tragend war - und zwar schon relativ weit.
Sie war nicht markiert und so glaubten sie an eine Streunerin und fassten den Entschluss, sie am Ende ihres Urlaubs mit nach Hause zu nehmen.
Doch es kam anders, denn Liza, so hatten sie sie genannt, verschwand eines Nachmittags und kehrte erst drei Tage später (ohne dicken Bauch, aber mit freigenuckelten Zitzen!) zurück.


Eine Mitnahme kam nun nicht mehr infrage, denn es war nicht zu klären, wo Liza ihre Kleinen geboren und abgelegt hatte.
Stattdessen fanden sie mich und mein Projekt im Internet und schrieben mir eine Mail.

Ein Besuch in Vejlby Klit im Sommer erschien mir nach dieser Meldung sinn- und reizvoll, und ich hatte Ende Juli ohnehin eine Woche Urlaub geplant.
Also sagte ich (mal wieder) meinen Wanderurlaub ab und bat meine Freundin Sabine in Nörre Nebel um Obdach für eine knappe Woche, denn ein halbwegs erschwingliches und dennoch nettes Ferienhaus war nicht mehr zu bekommen.
Der Plan war, meine bekannten Futterplätze abzuklappern und Liza und ihre Kitten mit nach Deutschland zu holen. Kastrationen und weitere größere Aktionen hatte ich nicht vor.

Wahrscheinlich denken nun viele: "Das ist ja verrückt, denn wer weiß, ob ich die Katze 4 Wochen später überhaupt finde und dann noch die Kleinen entdecken werde....".
Ja, das stimmt, aber ohne ein bisschen "verrückt" gäbe es diese ganze Arbeit für die dänischen Streuner nicht.

Also startete ich am 17.07. mitten in der Nacht.
Die Fahrt lief prima und ich wollte auf dem Weg in Ballum, kurz hinter der Grenze an einem größeren Futterplatz, noch Futter abgeben.
Nach Ausladen der Säcke und Dosen noch ein kurzer Blick zum Futterhaus.
Da saß eine der Miezen zusammengekauert auf der Wiese.
Ich kannte das Katzenmädchen. Es war eines der im Juli 2017 kastrierten Tiere, das mir aber bereits im März letzten Jahres bei einem Zwischenstop nicht wirklich gesund wirkte - jedoch nicht mehr in die Falle ging.
Der Fütterer berichtete mir auch, dass sie Schwierigkeiten beim Kauen hätte und er deshalb, speziell für sie, das Futter püriert.
Als ich das Mädchen sah, hörte ich bereits das Problem. Das Atmen war ein Rasseln und aus der Nase tropfte eitrige Flüssigkeit. Zudem hörte sie mich anscheinend nicht.
Das war meine Chance. Schnell eilte ich zum Auto, setzte eine Transportbox zusammen und rief beim Tierarzt meines Vertrauens an, ob ich rasch mit einem Notfall vorbeikommen könnte.

Ich stellte der Mieze Futter direkt vor die Nase und als sie den Kopf vorstreckte, griff ich zu.
Beim Tierarzt bot sich ein Bild des Jammers - es blieb nur noch die Erlösung.
So hatte ich mir meinen Anreisetag nicht vorgestellt - aber ich hatte die Hoffnung, dass es die einzige traurige Begebenheit sein würde.

Bei Sabine angekommen, gab es in kurzen Hosen bei Sonnenschein einen Kaffee auf der Terrasse. Wunderbar.
Danach fuhren wir nach Bork Havn: ein Rundgang durch die Siedlung mit der Entdeckung potentieller Futterstellen (wo ich ja schon mal da bin, vielleicht gibt es doch etwas zu tun...) und ein Eis am Hafen.
Fast wie echter Urlaub...;-)

Und am nächsten Morgen wieder Bork Havn.
Sabine und ich sprachen eine ältere dänische Dame an, vor deren Tür eine Schale mit Katzenfutter stand.
Sie hatte eine eigene Katze, wusste aber, dass ein Kater an ihrem Haus herumstreunt - und ein älterer Herr in der Nähe füttere eine Katze, die vor kurzem auch Junge zur Welt gebracht hatte.
Wir fanden die Futterstelle und der Herr berichtete, dass die Kleinen nun wohl gut zwei Monate alt und schon ein paar Mal mit dort gewesen seien - die Mutter aber relativ regelmäßig zum Fressen komme.

So wollte ich es doch mit einem Fang zur Kastration versuchen, da ich eine Trächtigkeit wohl nicht zu befürchten hatte, stellte die Falle (zuerst einmal unscharf) auf und eine Kamera dazu - und kaum hatte ich mich umgedreht, war das Mädchen auch schon da...


Mangels Tierarzt-Termin wurde es an diesem Tag jedoch nichts mehr mit einem Fang-Versuch.

Dafür gab es am Hafen ein Wiedersehen mit der 2016 kastrierten Hanna.
Damals gab es dort noch die vermüllte Hütte eines Alkoholikers, der darin die Katzen des Hafens eher unregelmäßig fütterte. Fünf Katzen hatte ich dort fangen und kastrieren lassen können.
Nachdem der Mann verstorben war, wollte man nicht mehr so viele Katzen am Hafen.
So wurde dann auch der von mir kastrierte (und durch Chip und Tätowierung markierte) Aaron von einer der "Tierschutzorganisationen" eingefangen und eingeschläfert.
Bescheid bekam ich damals nicht, wahrscheinlich wurde noch nicht einmal ein möglicher Chip ausgelesen - leider erlebe ich das in Dänemark immer wieder.
Eine weitere kastrierte Mieze wurde, so berichtete der Hafenmeister, von Urlaubern mit nach Hause genommen.
Und Hanna blieb am Hafen. Sie hat eine feste Hütte als Unterschlupf


und wird regelmäßig gefüttert - und steigt, wenn ihr Fütterer kommt, sogar in dessen Auto um eine Runde um den Hafen gefahren zu werden...;-)
Immerhin scheint für sie gut gesorgt zu sein, denn Fell und körperlicher Zustand sehen gut aus.

Am nächsten Morgen fuhr ich dann wie geplant die fast 100 km nach Vejlby Klit, um vielleicht wirklich Liza und ihre Jungen zu finden...

Früh morgens im Ferienhausgebiet angekommen, waren noch kaum Urlauber unterwegs und ich ging eine Runde - tatsächlich fand ich ein Haus, an dem zwei (leere) Tellerchen standen und auf dem Rasen des Nachbarhauses saß ein bekanntes Katzengesicht:

Tim, kastriert im März 2016

Und da die Futterstelle nicht weit von dem Ferienhaus von Brigitte entfernt war, wollte ich hier später nochmals vorbeischauen.

Zwischendurch ein kurzer Blick nach meinem Futterhaus im Viktoriavej.
Schön, dass dort ebenfalls zwei bekannte Miezen zu finden waren:

Ben und Thea (beide kastriert im März 2016)
                                          
Bei meiner Rückkehr zu dem Ferienhaus mit den Tellerchen waren die dänischen Besitzer dort.
Als ich auf sie zuging um sie anzusprechen, fiel mein Blick auf die Katze, die sich dort aufhielt: Liza!
Ich hatte sie also wirklich gefunden.
Allerdings wussten die dänischen Hausbesitzer nichts von möglichen Jungen, so setzte ich mich auf einen der grasbestandenen Wälle zwischen den Häusern und wartete.
Aber Liza schien kein Interesse daran zu haben, dort wegzugehen.
Und so wartete ich weiter - und fragte irgendwann die deutschen Urlauber im Nachbarhaus, ob sie denn vielleicht die Katze kennen.
"Ja klar, und wir haben sie und die Schwarze mit weiß (gemeint war Tim) auch schon gefüttert.", war die Aussage - auch dort aber keine Kenntnis von möglichen Kitten.

Schließlich, nach 2-3 Stunden des Wartens erhob sich Liza, aber nur um auch auf dem Nachbargrundstück nochmal zu betteln....
Dann aber schien sie ein Ziel zu haben. Sie lief durch die Büsche in Richtung der Schienen, weg von der Siedlung....
In einigem Abstand folgte ich ihr, immer wieder schaute sie sich um, so dass ich ihr viel Raum ließ.
Einige größere Büsche waren dazwischen, ich befürchtete bereits, sie verloren zu haben, ging in ihre Richtung langsam hinterher.
Mist, da saß sie, als wollte sie checken, ob ich ihr folge, also bog ich ab, tat so, als hätte ich sie nicht gesehen.
Und dann setzte auch sie sich wieder in Bewegung und lief in Richtung eines Hauses.
Ah, dachte ich, das ist also Dein Platz.
Aber dann.... sie sprang auf eine kleine Mauer an dem Haus, lief sie entlang und mit einem Satz von unten in den Dachüberstand!

Oh nein! Das konnte jetzt nicht sein!
Da käme ich niemals dran....
In der Nähe war ein Däne, der gerade den Rasen mähte, wie sich herausstellte der Hausbesitzer.
Und da wir uns nicht verständigen konnten, machte er sich sogar die Mühe mit mir zum Ferienhausvermieter zu fahren, damit man dort übersetzen könnte.
Im Ergebnis war es aber leider so, dass es keinen Zugang zum Dach gab, keine Luke, keine Treppe.
Ich war so nah dran und doch so weit weg....
Verdammt.
Aber sie hatte sich einen tollen und sicheren Platz für ihre Kleinen ausgesucht, eine tolle Katzenmama!

So fuhr ich enttäuscht zu Sabine zurück.
Dennoch sollten die verbleibenden Tage noch aufregend und erfolgreich werden!

Anke

Mittwoch, 1. April 2020

Wiedersehen mit Meike - 7 Jahre nach ihrer Kastration

Kurz bevor die Grenzen nach Dänemark jetzt geschlossen wurden, waren Freunde auf der Insel Römö.
Und sie schickten mir ein Foto, das mich sehr gefreut hat:

Meike im März 2020

Das zutrauliche Katzenmädchen fingen wir bei unserem ersten Aufenthalt auf der Insel im März 2013.
Im Ferienhausgebiet Sönderstrand im Süden von Römö gelangen Thomas und mir in der ersten Woche sieben Kastrationen.

Meike war anfassbar und ließ sich in ihrem "Katzenknast" gerne streicheln.

Meike nach ihrer Kastration im März 2013

Von den damals kastrierten Katzen blieben jedoch nicht viele am Leben, denn die örtlichen Jäger waren im folgenden Spätherbst sehr aktiv und berichteten mir dies auch auf Nachfrage im Frühjahr 2014. Nur drei der sieben Tiere überlebten.
Umso schöner ist es, dass Meike anscheinend auch bei den Jägern nun bekannt ist und nach sieben Jahren noch immer ihr Leben ohne Nachwuchs (und selbst mit einer Futterstelle versorgt) genießen kann.

Schön, wenn man solche Bestätigung für seine Arbeit erhält.

Anke
 

Samstag, 14. März 2020

keine Kastrationen im Frühjahr 2020

So wie es aussieht, wird es keinen Frühjahrs-Aufenthalt für mich geben in Dänemark in diesem Jahr.

Erstmals seit 13 Jahren konnte ich dieses Mal aus beruflichen Gründen und einem Krankheitsfall in der Familie nicht bereits Anfang März in den Norden fahren, sondern wollte am kommenden Wochenende starten.
Und nun sind die Grenzen zu Dänemark seit heute Mittag geschlossen, vorerst bis Mitte April.
Ob danach die Einreise wirklich gleich wieder möglich ist, weiß aktuell niemand.
Zudem sind die Katzenmädchen dann schon trächtig, insofern würde die Kastration ein schwerwiegenderer Eingriff.

Nun, es ist nicht zu ändern - obwohl ich mich gern heimlich reinschleichen würde...;-)
Wir müssen sehen, wie es weitergeht.



Ein bisschen habe ich hier zum Glück noch zu berichten aus dem Sommer und dem Herbst des letzten Jahres.
(Auch) dazu habe ich nun ja (leider) Zeit.

Anke

Dienstag, 28. Januar 2020

Aufarbeitung 2019 - Mai in Bjerregard und Umgebung, Teil 2

Wie immer versuche ich bei meinen Aufenthalten auch möglichst viele bekannte Stellen abzuklappern um zu erfahren oder besser noch selbst zu sehen, wie es den bereits kastrierten Katzen geht.
So zog es mich von Bjerregard aus nach Hemmet Strand, nach Blåvand und auch in den Norden an den Hafen von Nr Lyngvig und nach Vejlby Klit.

In Hemmet Strand hatten wir im März 2014 mit der Kastration eines Katzenmädchens und zweier Kater begonnen, dann im März 2015 dort weitergemacht und vereinzelt auch später noch Tiere kastrieren lassen.
An einem Ferienhaus im Gebiet gibt es auch ein von deutschen Katzenfreunden betreutes Futterhaus, welches zu Anfang regelmäßig bestückt, in den Folgejahren jedoch leider oftmals (auch im Winter) leer lief....
Daher bin ich froh, dass es in der Nähe ein älteres dänisches Ehepaar gibt, das ebenfalls einige Katzen sehr gut mit Futter versorgt.

Und an dieser Stelle konnte ich tatsächlich einige wunderbare Wiedersehen "feiern":
Vicky und Ormi links, Porthos rechts

An dem Ferienhaus mit dem Futterhaus sprach ich zuerst mit dem Hausbesitzer, der zufällig anwesend war. Dieser hatte nichts dagegen, als ich fragte, ob ich dort fangen dürfte. Im Gegenteil, er fand die Aktion gut.
Dann jedoch, eine knappe Stunde später, kam er mit seiner Frau zurück.
Plötzlich wurde mir das Fangen untersagt. Man habe Angst, dass die Tiere dem Bauern am Rande des Ferienhausgebietes gehören könnten und man dann Ärger bekomme.
Sehr schade. Nun werden die Katzen dort also manchmal gefüttert, aber nicht kastriert.
Dennoch sah ich am Futterhaus zumindest eine alte Bekannte vorbeihuschen, nämlich die erste in Hemmet kastrierte Katze, Lily:
wenn auch verwackelt, so ist das schwarze Band am linken Hinterlauf charakteristisch

Aber das ältere Paar, das Vicky, Ormi und Porthos versorgt, erzählte, dass sich neue Katzen am Haus blicken ließen und so versuchte ich mein Glück am dortigen Grundstück... mit Erfolg:

Malek und Ruben

Dante - sein Fang ging rasch und ich konnte ihn im Auto sitzend dokumentieren
Die drei Kater haben ihre Kastration gut überstanden und werden nun hoffentlich entspannter unterwegs sein.

Aufgrund des tollen und tageweise schon wunderbar warmen Wetters machten Martina und ich uns auch auf nach Blåvand, wo ich erstmals im März aktiv war.
Mit einem Eis durchstreiften wir auch die an eine mir bekannte Futterstelle angrenzenden Straßen und wurden auf diese Mieze aufmerksam:

zu diesem Zeitpunkt noch namenlos, heisst sie seit ihrer Kastration "Fanny"

Als ich sie sah, hatte ich sofort wieder jene Katze im Kopf, die ich im März am letzten Tag beim Abbau der Wildkamera an einer Futterstelle entdeckt hatte. Ich erwähnte dies auch hier im Weblog in meinem Eintrag vom 02. November.
Ich konnte sie damals nicht mehr einfangen und hatte den Eindruck, dass es ein Mädchen sein könnte.
Und nun hatte ich meine Falle nicht dabei... so ein Mist.
Aber das Schicksal meinte es gut mit mir und Fanny:
Als ich nämlich am Folgetag das neue Futterhaus an der Futterstelle mit 9 kastrierten Katzen aufstellen wollte, lag eben Fanny bei einem Mittagsschlaf in den Büschen.
Ich konnte sie fangen und sie wurde, noch nicht lange tragend, kastriert.
Puh, das war gerade noch rechtzeitig, sonst wären es an der Futterstelle noch mehr Fellnasen geworden. Und die Nachbarn waren ohnehin bereits nicht mehr glücklich mit den vielen Miezen.

Bei der Fahrt nach Vejlby Klit liegt der Hafen von Nr Lyngvig auf dem Weg. Und so schaute ich auch dort vorbei - und kam gerade zur rechten Zeit.
Die Fischer waren dabei, den Fang zu verarbeiten und natürlich warteten zwei von drei der dort von mir gefangenen und kastrierten Miezen auf ihre Portion:


Die Beiden (Kater und Katze) sehen wirklich wunderbar aus, das Fell ist dicht und flauschig und sie werden sogar regelmäßig entwurmt!

Zuletzt ging es in der Woche dann auch noch 2x nach Vejlby Klit.
Zum Einen galt es den Eingang eines Futterhauses zu verkleinern, denn ein Fuchs bediente sich regelmäßig - zum Anderen wollte ich die Gelegenheit zum Aufstellen der Wildcam an einer der Futterstellen nutzen.
Und da waren die Ergebnisse wirklich spannend.
Es gab insgesamt vier bekannte und kastrierte Fellnasen zu sehen:

Thea, Ben, Tilda und Torben

.... aber auch drei unbekannte noch unkastrierte:

.... von der Größe bzw bei dem Tiger sogar gut erkennbar, alles Kater

So war diese Woche im Mai vielfältig, wie ich es niemals erwartet hätte.
Es gab viele Wiedersehen, neue Fänge und Kastrationen, ein neues Futterhaus, Sichtungen bislang unbekannter Katzen, aber auch wunderbares Wetter und damit erholsame Tage in einer für mich in Dänemark neuen Jahreszeit.

Anke

Montag, 13. Januar 2020

Aufarbeitung 2019 - Mai in Bjerregard, Teil 1

Eine Woche Urlaub im Mai, so recht hatte ich keine Idee, wohin ich fahren sollte, also entschied ich mich für Dänemark...;-)
Kastrationen würden schwierig, denn es ist die Zeit in der die Mädchen hochtragend sein bzw. irgendwo ganz Kleine liegen haben könnten, die auch 24 Stunden allein noch nicht überstehen würden.
Aber gucken war möglich, und so kam mir Bjerregard in den Sinn. Von dort aus könnte ich einige meiner alten Orte aufsuchen, um zu schauen, wer von den bekannten Fellnasen noch dort ist und ob alle Futterstellen noch existieren.

Martina begleitete mich und ich hatte das Haus gebucht, an dem im November 2018 die Katzenmutter mit ihren Kleinen gesichtet worden war, die ich auch fangen und kastrieren lassen konnte.
Natürlich war ich in der Hoffnung, die Miezen vielleicht wiederzusehen, denn die Tiere suchen erfahrungsgemäß ja Häuser, an denen sie gefüttert wurden, immer wieder auf.

Und tatsächlich:
Da wir tolles Wetter hatten, konnten wir am zweiten Tag draußen Kaffee trinken und plötzlich kam eine Fellnase um die Ecke...Arianna.
Erst noch etwas scheu, wurde sie über die Tage immer zutraulicher und entspannter.
Einen Tag später kam auch Alessa hinzu, und die beiden Schwestern tollten nach dem Fressen ausgiebig auf dem Grundstück herum.
Einmal erschien auch Mutter Aurora - wunderbar, denn so wusste ich, dass es allen Dreien gut ging und durch die Kastrationen im November sicherlich die Geburt von 6-10 Jungen (allein in diesem Jahr) in der Siedlung verhindert worden war.
Arianna und Alessa, geboren im Frühsommer 2018, kastriert im November 2018

Auch meine allererste (und noch bestehende) Futterstelle in Dänemark suchte ich auf, befindet sie sich doch im Bjerregardsvej.
Leider sind einige der zu Anfang des Projektes kastrierten Katzen inzwischen verstorben, aber ein zugewanderter Kater war bislang noch unkastriert und wurde daher von mir zur Kastration gefangen.
Damit wird es nun dort wohl keinen Russisch Blau-Nachwuchs mehr geben... gut so.

Little Bamse

Zufällig waren während meines Aufenthalts auch Katzen-Freunde in Bjerregard. Sie schrieben mir, dass sie eine Mieze an ihrem Ferienhaus haben.
Da sie die Menschen nicht nahe an sich heranließ und man in den schwarzen Ohren eine Tätowierung nicht sicher erkennen konnte, wollten wir sie zur Sicherheit fangen um zu prüfen, ob sie kastriert ist.
Aber die Kleine kannte offensichtlich eine Falle, denn sie ging nicht weiter als bis vor den Auslöser hinein.
Und mit den Fotos, die Daniela und Marcus und auch die Wildcam machten, konnten wir Marie mit fast 100%iger Sicherheit identifizieren!
Wie schön, denn sie sah gut aus - eine weitere Katze, die seit ihrer Kastration 2013 im Ferienhausgebiet lebt und offenbar gut zurechtkommt.

Marie

Und schließlich berichtete mir eine regelmäßige Bjerregard-Urlauberin noch von einem dänischen Paar, das seit vielen Jahren eine Katze füttere...
Ich hatte eine Idee, sowohl wer die Menschen, als auch die Katze sein könnten - aber ganz glauben konnte ich es nicht.
Dennoch machte ich mich auf den Weg zu dem beschriebenen Haus.
Ich traf die Menschen an, sie kannten mich und meine Arbeit und sie wussten auch, dass ich "ihre" Katze kenne und ließen mich ins Haus.
Auf der Terrasse saß sie, mir blieb fast das Herz stehen und ein paar Tränen flossen, als ich Jule dort erblickte:

Jule, die erste kastrierte Katze.....

Tausend Gedanken und Erinnerungen schossen mir in den Kopf:
Unsere allererste kastrierte Katze in Dänemark!!!

Jule kurz vor ihrem Fang im Jahr 2007

Damals noch ohne jegliche Katzenfang-Erfahrung, mit einer geliehenen Falle und die Tierklinik in Nörre Nebel erklärte uns für verrückt, als wir anfragten, ob man uns eine Sommerhauskatze kastrieren würde...
Seither ist viel passiert, und 342 weitere Katzen wurden kastriert!
Mehr davon im nächsten Eintrag, Mai Teil 2.

Anke

Sonntag, 24. November 2019

Nachruf auf die "Grande Dame" Bjerregards

Ein Eintrag, der sein muss und der mir sehr am Herzen liegt.

Bereits in den Anfängen unserer Arbeit für die Ferienhauskatzen Dänemarks, also im Jahr 2004, berichtete fast jeder, der Katzen dort gesehen hatte, von einer Siamkatze, die im südlichen Bjerregard unterwegs sei.
Selbst die Mitarbeiter der Ferienhausvermietung Novasol wussten von ihr.
Doch Thomas und ich sahen sie nicht in den ersten Jahren, vielleicht auch, weil wir die ersten Aufenthalte im nördlichen Bjerregard verbrachten und nur einzelne Spaziergänge im Bereich der Arvidvej unternahmen.
Doch dann bekamen wir ein Foto geschickt von Wiebke und ihrer Familie, das war im Oktober 2009:

Fenja mit ihren drei Kleinen - ihr letzter Wurf

Und wir überlegten nicht lange, konnten spontan Urlaub nehmen und buchten ein Haus im Arvidvej.
Tatsächlich konnten wir an dem Ferienhaus, in dem Wiebke gewohnt hatte, mehrere hungrige Katzen füttern und täglich wurden es mehr - doch Fenja war nicht darunter.
Doch dann, an einem Nachmittag, an dem wir wieder einmal die Siedlung durchstreiften, sah ich SIE.



Ich bot ihr Futter an und rief über Funk Thomas, und es gelang uns die vorsichtige Fenja in großem Abstand von beiden Seiten in ihrer Laufrichtung zu beobachten, bis sie hinter einem Haus verschwand.
Lange saßen wir dort, bis sie wieder unter der Terrasse hervorkam, zuerst zusammen mit nur einem ihrer Jungen:


Schließlich zeigten sich zwei der Kleinen und wir konnten sie fangen, denn sie waren noch sehr zierlich und es war schon kalt und vor allem nass.
Aber eine Kastration Fenjas wagten wir damals um diese Jahreszeit noch nicht.

Im März des folgenden Jahres (2010) konnten wir Fenja fangen. Sie wurde in der Tierklinik in Nörre Nebel kastriert und auch die Tierärztin sagte, dass sie schon einige Jährchen alt sei.
Eine Annäherung während ihres Aufenthaltes bei uns im Ferienhaus war nicht möglich, Fenja blieb wild. Sie fraß noch nicht einmal.
 
Und so war es schön, sie zwei Tage später wieder freilassen zu können - mit einem Sprung in die Freiheit wie keine Andere.


Immer wieder wurde uns Fenja dann in den folgenden Jahren gemeldet.
Auch hatte sie das Glück in ein paar Wintern von Deutschen gefüttert zu werden, die einige Monate in Bjerregard verbrachten.

Fenja verstand es sich durchzuschlagen, vielleicht war es auch ihr ganz besonderes Aussehen, das Menschen dazu brachte sie zu versorgen.

Ein Foto von ihr mit ihrer dritten Tochter aus dem Herbst 2009, Uta (die wir selbst damals nicht sahen, aber 2012 kastrieren lassen konnten), erhielt ich im April 2018:


und eine letzte Sichtungsmeldung aus September des letzten Jahres.
Seither nichts mehr, so dass ich davon ausgehe, dass nun nur noch ihre Seele in Bjerregard über die anderen Katzen wacht.

Aber Fenja hat so viele Urlauber kommen und gehen sehen, wie keine Andere. Für eine reine Draußen- und Streunerkatze erreichte sie ein fast biblisches Alter, denn sie wurde bereits im Jahr 2000 von Urlaubern gesehen.

Woher sie kam und was sie alles erlebte, wieviele Urlauber sie fütterten, aber auch davonjagten, all das blieb ihr Geheimnis.
Und ich hoffe sehr, dass sie ein friedliches Ende hatte.

Aber ganz sicher wird diese Katze unvergessen bleiben - in jedem Falle bei mir, da ich sie mit den Anfängen meines Projektes und Bjerregard verbinde.

Anke

Freitag, 22. November 2019

Houstrup und Jegum im März 2019

Auch in der zweiten Woche wollte ich natürlich etwas tun, obwohl die Kastrationen nun in einer Tierklinik durchgeführt wurden.
Dankenswerterweise übernahm die Fahrten dorthin und auch die Abholung Biancas Mann auf dem Weg zur Arbeit. Ich musste die Katzen nur bis zu einem Treffpunkt auf dem Weg bringen und fühlte mich bei den Übergaben ein bisschen wie ein "Katzen-Dealer"...;-)

Kurz vor meiner Ankunft in Blåvand im März hatte ich ja noch Fotos von zwei neuen Katzen an einer Futterstelle eines dänischen Ehepaares in Jegum Ferieland bekommen (siehe mein Eintrag vom 08.03.).
Da Jegum tatsächlich nicht weit entfernt ist von Blåvand und es in Blåvand nichts Konkretes mehr für mich zu tun gab, entschloss ich mich zum Aufstellen einer oder zweier Falle(n) in Jegum an mehreren Nachmittagen, Abenden und Nächten und zeitgleich ebenfalls an Biancas Ferienhaus in Houstrup.

Und da ich sowieso gerade dort war, stellte ich an ein weiteres von mir aufgestelltes Futterhaus in Jegum auch eine Wildcam um zu sehen, wieviele der alten Bekannten dort noch zum Fressen kommen.
Tatsächlich konnte ich mich über ein paar von ihnen freuen:

oben beste Freunde Filip und Linn, unten Filipa und Aksel, alle kastriert im März 2017

Eine neue Katze versuchte ich dort auch zu fangen, sie erschien über die Nacht auch ein paar Mal an der Falle, war aber zu vorsichtig, um hinein zu gehen.



An dem anderen Futterhaus hatte ich mehr Glück:
Zwar fing ich auch zwei der bereits kastrierten Katzen - und diese zeigten sich bei ihrer Befreiung ziemlich ungehalten...;-)
Aber auch zwei kräftige bislang unkastrierte Kater wurden zum "Opfer". Einer davon hatte in kürzester Zeit die komplette Pappe in der Falle zerlegt.
Bei dem Zweiten wäre mir Angst und Bange geworden, wäre zwischen ihm und mir nicht das Gitter der Falle gewesen. Er war ja soooooooo sauer!

Leif (oben) und Ubbo (unten)

Zuletzt wurde mir dann von der Besitzerin des Ferienhauses noch die kleine getigerte Mae per Hand in die Box gesetzt. Auch diese noch junge Fellnase war neu am Haus.
Alle drei Kastrationen verliefen gut.
Leider wurde mir erst nach der Kastration von Mae gesagt, dass man sie vermitteln möchte, weil sie so zutraulich ist.
Super für Mae, dass sie die Chance hatte einen schönen Platz zu bekommen - aber ich hätte mich gefreut, wenn man die Kastration über den neuen Besitzer veranlasst hätte, da Mae wirklich zutraulich war und gut auf einer Pflegestelle hätte untergebracht werden können.

Denn, und dies sei hier noch einmal deutlich gesagt:
Mein Projekt hat die Kastration der in den dänischen Ferienhausgebieten mehr oder weniger verwildert lebenden (und auch verbleibenden) Katzen zum Ziel, um deren Zahl langfristig zu reduzieren und ihr Leben durch die Kastration zu erleichtern.
Nicht für jede Streunerkatze ist ein Platz auf einer Couch frei, und wir Deutschen sollten nicht vergessen, dass es auch bei uns viele unversorgte Katzen gibt, die verborgen in Hinterhöfen, an Müllcontainern und nicht zuletzt auf Bauernhöfen leben.

An einem Futterhaus in Houstrup wartete ebenfalls Arbeit auf mich, die noch in der ersten Woche parallel zu Blåvand getan werden konnte.
Die Aufklärung über die Wildkamera zeigte neben zwei Bekannten (die Kater Ebbi und Jonas) weitere zwei oder drei getigerte Katzen.

So stellte ich die Falle scharf und meine Funkkamera dazu.
Bianca erklärte sich bereit, bei Auslösung der Falle direkt dorthin zu fahren, da sie sich in der Nähe aufhielt.
Natürlich war Ebbi der Erste, der sich fangen ließ - aber Bianca war zur Stelle und er durfte wieder gehen. Danke, Bianca!


In den (sehr) frühen Morgenstunden des folgenden Tages konnten dann aber doch noch zwei neue Katzen gefangen werden, zwei Mädchen - offenbar Mutter und Tochter.

Jule (oben) und Marga (unten)
Beide waren echte Ferienhauskatzen und bei ihrer Freilassung so schnell, dass ich nur ihre Schatten fotografieren konnte.

So beendete ich meinen März-Aufenthalt mit 29 Kastrationen.
Zwei weitere gefangene Katzen mussten aufgrund ihrer Erkrankungen, die ihnen nach Einschätzung des Tierarztes unglaubliche Schmerzen bereitet hatten, eingeschläfert werden.
Ihnen zum Andenken diese Fotos:

Bei beiden Tieren hätte ich niemals erwartet, dass ich sie nicht wieder freilassen kann....

Doch Tränen und Wut gehören leider in fast jedem meiner Aufenthalte dazu.
Über die Situation der Tiere und die Dummheit und Ignoranz der Menschen.

Zum Glück gibt es aber auch wunderbare Momente meiner Arbeit.
So auch im Mai, als ich eine Woche in Bjerregard verbrachte...

Anke

Samstag, 2. November 2019

Bericht von Blåvand, März 2019

Blåvand war, ich erwähnte es schon, lange nicht so erfolgreich wie erhofft und erwartet. Und es brachte Enttäuschungen und traurige Ereignisse, auf die ich gerne verzichtet hätte.

Eine Katzen-Bekannte, deren Namen ich hier auch schon nannte, weil wir in der Vergangenheit zusammengearbeitet hatten, und die sich auf ihre Weise in Süddänemark um Katzen kümmert, hatte mich im Vorfeld um die Fang-Aktion in Blåvand gebeten, da sie bereits einige junge und/oder kranke Katzen aus diesem Gebiet gebracht bekommen hatte.   
Es war die Rede von sehr vielen Katzen, von sicher 40-50 zu kastrierenden Tieren.
So buchte ich einen Tierarzt, der mir in der ersten Woche für einen Fix-Betrag für die Kastrationen zur Verfügung stand und auch mit der Masse und meinen Sonderwünschen kein Problem hatte (was bei einem Tierarzt, der das nebenbei hätte machen sollen, anders wäre). 
Ab der 35. Kastration hätte sich das gerechnet. Und so war ich guter Dinge, mit dieser Planung alles richtig zu machen.

Jedoch war die Vorbereitung vor Ort nicht gut.
Es war nicht regelmäßig angefüttert, und an zwei mir genannten Plätzen war das Einfangen gar nicht erlaubt - wie ich dann aber erst vor Ort erfuhr.
So stellt sich der Zoo in Blåvand gegen die Kastration seiner Katzen, da die kleinen Kätzchen ja (neben den echten Zoo-Tieren) eine "Attraktion" für die Urlauber und deren Kinder sind und man auf diesem Wege vielleicht auch das eine oder andere Tier losbekommt.
Was mit dem "übrigen Rest" des Katzennachwuchses passiert, kann man sich denken.

Bianca brachte ebenfalls nur fünf der bei ihr lebenden Katzen zur Kastration. Davon wiederum waren, wie ein Bluttest ergab, drei (u.a. die kleine Mini von Fanø und Cindy aus Bjerregard) Leukose positiv und mussten eingeschläfert werden.

Auch das Wetter war zum Katzenfang schlecht, es regnete viel.
Und so waren die zwei Wochen im März insgesamt sehr anstrengend und für den betriebenen Aufwand nicht erfolgreich genug.
Aber der Reihe nach:

Die erste Futterstelle, an der ich fangen wollte, befand sich am Parkplatz eines Supermarktes in Blåvand.
Die vielen gemeldeten Katzen in der gesamten Einkaufsstraße waren nach meinen Aufklärungen tatsächlich nur um die 10 Tiere, die im Rahmen der Futtersuche eben einfach an verschiedenen Stellen auftauchen.

In den ersten Tagen saß ich dort jeden Morgen fast zwei Stunden und ebenfalls teilweise am Abend. Die Falle konnte dort nicht unbeaufsichtigt bleiben, da es eben viele Gegner der geplanten Kastrationen gab. 

Ich konnte so sieben Tiere fangen, 3 Mädchen und 4 Kater. 
Zwei mussten jedoch eingeschläfert werden, da sie (nicht ansteckende) Erkrankungen/Verletzungen hatten, die bei wilden Streunern nicht behandelbar sind, ihnen aber auch aufgrund der damit verbundenen Schmerzen ein Weiterleben nicht ermöglichten.
Ein weiterer gefangener Kater war bereits kastriert und konnte per Tätowierung einem festen Bewohner Blavands zugeordnet werden.

Eine weitere feste Futterstelle, an der die Katzen zumindest ein wenig versorgt werden und die sich dank Biancas Bemühungen fand, konnte ich problemlos in den ersten drei Tagen abarbeiten. 


Die Hausbesitzer waren der Meinung, es müssten 9-10 Katzen sein.
Tatsächlich konnte ich neun fangen (4 Kater und 5 Mädchen) - hier acht davon:


Die aufgestellte Wildcam zeigte an den Fangtagen und auch danach immer dieselben Katzen.
Am letzten Tag aber, als ich gerade ein letztes Mal das Futter ausfüllte und die Wildcam abbaute, sah ich eine weitere, mir unbekannte, Katze.  Sie war Schwarzweiß und mit einer lustigen Zeichnung und irgendwie sah sie aus wie ein Mädchen…
Das würde bedeuten, dass es im Mai sicher doch wieder Nachwuchs dort geben würde. Aber so ist es meistens, irgendeine bleibt übrig, da ich eben nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung habe.

Dennoch, 9 Fänge. Die fünf kastrierten Mädchen bescheren der Siedlung jedenfalls keinen ungewollten Nachwuchs mehr und die Kleinen müssen nicht mehr hungern.
Es ist "so einfach", wenn die Vorbereitung stimmt. 
 

Und dank meiner inzwischen großen Menge an Ausrüstung hatte ich genügend Reserven um selbstverständlich nach jeder Fangaktion an einem Ort die Fallen und jedem kastrierten Tier die Körbe gründlich zu reinigen, um eine Krankheitsübertragung duch meine Fangaktion und Kastration auszuschließen.



Bei einer Familie in Ho, die sich zum Glück aufgrund eines Aufrufs über Bianca bei Facebook als Futterstelle meldete, konnte ich ebenfalls die zugelaufenen 5 Katzen fangen und kastrieren lassen (2 Mädchen, 3 Kater). 
... und in unmittelbarer Nachbarschaft weitere zwei Tiere (Kater und Katze).
Und so wurde es dann dort diese "bunte Mischung":
Viel rot.... aber wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass es verschiedene Katzen sind.

Aber leider hatten sich damit die Hinweise auch erledigt.
Auch eigene Suchen führten nicht zum Erfolg.

Es kam dann sogar zu Anfeindungen via SMS - und über Facebook beschwerte man sich, was denn eine Deutsche da zu suchen hätte, schließlich hätte man ja auch in Blåvand einen Tierarzt.
Außer Acht gelassen hatten die Kritiker aber die "Kleinigkeit“, dass es zwar einen Tierarzt dort gibt, dieser aber nicht die Katzen fängt, und diese auch - zumindest an der Westküste - eben nicht von Seiten anderer Organisationen unfruchtbar gemacht werden.
Warum also sind die Menschen nur so verbohrt und nehmen meine Arbeit nicht wenigstens an, ohne sie zu boykottieren oder zu kritisieren?
Die Sprüche, dass die Katzen nach Blåvand gehören oder dass die Katzen die Ratten fernhalten und deshalb nicht "ausgerottet werden" sollen, kann ich schon lange nicht mehr hören, denn wenn die Katzen tatsächlich als „Nutztiere" gesehen würden, könnte man sich schließlich auch um sie kümmern!


Eine Rettungsaktion der besonderen Art gelang mir dann, zusammen mit Cassandra, auch noch:
Die Tierärztin Brigitta der Insel Fanø meldete sich telefonisch bei mir, als ich gerade in Blåvand war und berichtete von einer Familie auf der Insel, die mehrere (unkastrierte) Katzen hätte - eine davon, ein noch sehr junges Tier, wolle man nicht mehr und wollte es eingeschläfern lassen.

Da dies in Dänemark legitim ist, Brigitta dies aber auch nicht gern tut, wenn das Tier nicht ernsthaft krank ist, fragte sie mich, ob ich eine Lösung hätte. Und tatsächlich fiel mir etwas ein.
Ein engagiertes Mitglied des TSV Niebüll war bereit, das Katzenmädchen aufzunehmen und es in Deutschland zu vermitteln.
Also setzten Cassandra und ich uns (obwohl ich bereits um 5 Uhr aufgestanden war und Katzen gefangen hatte) am Nachmittag ins Auto, fuhren von Blåvand nach Esbjerg, setzten mit der Fähre nach Fanø über, holten die Katze von ihren Besitzern ab, fuhren wieder Fähre und mit dem Auto bei Wind und starkem Regen weiter nach Niebüll.
Dort angekommen wurde die Katze übergeben und außer der Katze noch eine Spende, denn die Besitzer gaben mir das Geld für den Tierschutzverein, das sie sonst für das Einschläfern der Katze hätten bezahlen müssen.
Und dann machten wir uns müde, im Dunkeln und bei immer noch richtig schlechtem Wetter, aber auch zufrieden, auf den Heimweg nach Blåvand. 

Dort angekommen, mussten dann noch die an diesem Tag kastrierten Katzen versorgt werden:



Und so war dieser Tag in all den Jahren (bis dahin ;-) ) einer meiner anstrengendsten für die dänischen Katzen.
Eine verrückte Aktion, 260 km für eine Katze…. aber für die Katze war es die Rettung vor dem Tod!
Und wie ich später erfuhr, überstand Madita ihre Kastration gut und hat ein tolles Zuhause bekommen.

Soweit also (nun endlich) zu Blåvand... 

Anke