Freitag, 6. April 2018

Wieviel ist ein Katzenleben wert?

Eine Überschrift und Frage, die provoziert, das ist mir bewusst.
Und mir ist klar, dass es - warscheinlich auch unter meinen Lesern - auf diese Frage sehr unterschiedliche Antworten gibt.
Ich erlebte zu diesem Thema im Januar nach über 10 Jahren Arbeit für die Sommerhauskatzen Dänemarks eine ganz besondere Geschichte:

Wie in meinem letzten Eintrag berichtet, fing ich an einem der auf Fanö aufgestellten Futterhäuser in einer Nacht drei Katzen. Eine davon, ein getigertes Mädchen, war mir ja bereits vor meinem Aufenthalt im November als Sichtung gemeldet worden, aber ein Fang gelang mir damals nicht.
So war ich glücklich, dass ich sie nun doch in der Falle hatte und kastrieren lassen konnte.

Wie üblich holte ich die operierten Tiere (dieses Mal aus einer Tierklinik auf dem Festland) ab und stellte sie bei mir im Ferienhaus dunkel und warm, damit sie in Ruhe ihre Narkose ausschlafen können.
Bei einer Nachschau am späteren Abend jedoch bekam ich einen gewaltigen Schreck.
Die Tigerin Wilma saß in ihrer Box auf einer großen Blutlache und wirkte benommen:


Eine minimale Nachblutung hatte ich bereits erlebt, aber das war zu viel!
Es war nach 22 Uhr und ich saß auf einer Insel...
Also wählte ich die Nummer der Tierklinik, die die Kastration am Vormittag durchgeführt hatte. Doch die hatte keinen Notdienst.
So entschied ich mich auf gut Glück für eine der Kliniken in Esbjerg. Dort sagte mir die offenbar Notdienst habende junge Tierärztin, dass etwas Blut durchaus normal sei.
Wenn es nur etwas Blut wäre, hätte ich auch nicht angerufen, so erklärte ich und sagte ihr, dass ich mich jetzt mit der wilden Ferienhauskatze auf die Fähre und ans Festland zu ihr in die Klinik begeben werde. Man erwartete mich also.

Nach einem ersten Blick in die Box hieß es dann, ich solle die Katze doch bitte mal herausholen, um sie anschauen zu können.
Nein, so einfach sei das nicht, die Katze sei wild, erklärte ich nochmals. Man werde sie in Narkose legen müssen um sie zu untersuchen.
Gut, dass ich meinen Zwangskorb im Auto hatte. So gelang das Umsetzen und auch das anschließende Spritzen ohne größere Aufregung.

Als die Tierärztin dann die Blutansammlung im Bauchraum tastete und man die Beule auch bereits sehen konnte, schaute sie mich an und fragte mich, wie weit man mit den tierärztlichen Maßnahmen gehen solle.
Es sei doch eine Sommerhauskatze, die niemandem gehöre... Wieviel ich für dieses Tier also ausgeben wolle?
Ich überlegte nicht und antwortete: "Tun Sie, was nötig ist um ihr Leben zu retten."

Sie sah mich erstaunt an, nickte dann aber, sagte mir, dass sie ihren Chef für eine Not-OP anrufen werde und dass ich nach Hause fahren solle.
Ich wiederum nahm ihr das Versprechen ab, dass sie mich anruft, wenn man mit der OP fertig ist.
Schlafen könnte ich sowieso nicht.

Auf der Heimfahrt und auf der Fähre weinte ich.
Es hätte für mich nie eine andere Antwort gegeben, denn diese Katze war völlig gesund zuvor.
Ich hatte sie mit meiner Aktion in diese Situation gebracht.
Hätte ich hier jetzt anders entscheiden können? Niemals!
Zum Glück waren zwei Freundinnen noch wach und ich hatte mitten in der Nacht jemanden, bei dem ich mich ausweinen konnte, denn es stand nicht gut um die hübsche und tapfere Wilma.
Tausend Dank für Eure mitfühlenden und mutmachenden Worte, Elly und Cassandra!

Gegen halb drei kam dann der Anruf von der Tierklinik: Wilma hatte die OP überstanden. Die Naht war aufgegangen und der Bauchraum voller Blut gewesen.
Man hatte nun den Bauchraum gespült, eine Total-OP gemacht und ihr eine Infusion gegeben.
Armes Mädchen.

Am frühen Morgen dann fuhr ich wieder mit der Fähre nach Esbjerg.
Wilma war wach und sah mich ganz anders an, als am Abend zuvor. Der Blick war klar, es schien ihr trotz der Strapazen besser zu gehen.

Dass die Rechnung nicht gerade günstig sein würde, das wusste ich.
Der zu zahlende Betrag ließ mich dann aber schon ein wenig blass werden: 8.296,97 dänische Kronen, umgerechnet  1.135 Euro. Puh.
(Nur der Form halber: Den Betrag zahlte ich natürlich nicht aus der Spendenkasse, sondern aus eigenen Mitteln.)
Wilma war also ab sofort meine wertvollste Ferienhauskatze, quasi vergoldet...;-)

Ich solle die Katze nun ein paar Tage beobachten, hieß es.
Diesem Wunsch würde ich nicht nachkommen können, denn ich musste Wilma am nächsten Morgen in die Freiheit entlassen, denn ich musste nach Hause. Auch hatte ich in der Vergangenheit bereits andere Katzen einen Tag nach einer Total-OP wieder freigelassen. Und einen Gefallen würde man ihr mit einer Haltung in der Box auch nicht tun. Denn sie ist eben eine verwilderte Mieze.

Und so begleitete mich Cassandra bei der Entlassung, und wir wünschten Wilma beim Öffnen des Türchens der Katzenbox nicht nur das übliche Glück, sondern eine ganze Menge mehr!

In den folgenden Tagen dachten wir viel an Wilma, daher stand auch die Wildcam mehrfach am Futterhaus.
Und endlich, eine Woche später war Wilma auf der Kamera.

Wilma nach ihren OPs das erste Mal wieder am Futterhaus

Sie bewegte sich normal, sah gut aus und ist nun, wie vier andere dort gefangene und kastrierte Katzen, ein regelmäßiger Gast am Futterhaus.
Ein weiterer schwarzer Kater scheint neu zugewandert zu sein:
Betty, Wilma, Barney (links) und Viggo, Toni und der Unkastrierte (rechts)

Leider fehlt jedoch die zuerst dort kastrierte Ginny im Moment.
Hoffentlich ist ihr nichts zugestoßen und sie hat einfach nur, zutraulich und kommunikativ wie sie ist, Urlauber gefunden, die sie füttern.

Und Wilma hat ihre Chance genutzt - sie hatte sie verdient, zweifellos!

Anke

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